Schulmedizin

Es wird zwischen First-Line-Therapie ("Mittel der ersten Wahl" ist in der Medizin ein feststehender Begriff für einen Wirkstoff, der am besten zur Behandlung einer Erkrankung geeignet ist) und der Second-Line-Therapie ("Mittel der zweiten Wahl", wenn die anderen Medikamente keine Wirkung erzielten) unterschieden.

First-Line-Therapie

Serotonin / Noradrenalin- Wiederaufnahmehemmer (SNRI)
SNRI erhöhen das Serotonin und Noradrenalin im Nervensystem und bieten erhebliche Vorteile für einige EM-Patienten. Als Beispiel sei Venlafaxin (Trevilor®) genannt, welches in vielen med. Zeitschriften als wirksam beschrieben wird. Bei einigen Patientenn half auch das Duloxetin (Cymbalta®).

Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI)
Diese Gruppe steigert das Serotonin im Nervensystem. Es gibt eine Handvoll von Fallberichten von Betroffenen, die Sertralin (Zoloft®) Fluoxetin (Prozac®) oder Paroxetin (Paxil®) einnahmen und eine Verbesserung verspürten. Für Tramadol (Ultram®) gibt ein einen positiven Verlaufsbericht.

Gabapentin(®) (Neurontin)
Ein kleiner Prozentsatz von Patienten haben von einer Verbesserung mit Gabapentin berichtet. Etw a50% berichteten von einer Schmerzreduktion, jedoch keine Änderung in Bezug auf die Rötung und das Wärmeempfinden. Für nur wenige Patienten reichte die Schmerzlinderung aus, die meisten suchten nach weiteren zusätzlichen Therapiemöglichkeiten.

Calciumkanalantagonisten (CCA)
CCAs führen zu einer Vasodilatation (unter Vasodilatation versteht man die Erweiterung der Blutgefäße), was die EM im Grunde noch schlimmer machen würde. Bei einigen Patienten führte die Behandlung jedoch zu einer Linderung der Beschwerden. Bei der Medikation mit Diltiazem® muss allerdings auf eine niedrige Dosis (kurzzeitig 30mg) und unter ärztlicher Aufsicht geachtet werden. Eine weitere Möglichkeit ist die Einnahme von hochdosiertem Magnesium. Man kann anfänglich eine niedrige Dosis (100 bis 200mg/Tag) und nach und nach höhere Dosen einnehmen. Hier ist auf hochwertiges Magnesium zu achten, da es ansonsten zu Durchfällen und Mineralstoffmangel führen kann. 

Second-Line-Therapie

Amitriptylin-Ketamin-Salbe
Ein Fallbericht von Dr. P. Klein- Weigel u..a (Bericht) beschreibt die Wirksamkeit einer transdermalen Creme mit 1% Amitriptylin und 0,5% Ketamin. Die Creme wird dreimal täglich auf die betroffenen Hautareale aufgebracht. Die Ergebnisse zeigen innerhalb weniger Tage eine Verbesserung. Erste Ergebnisse zeigten eine Verbesserung von 50 bis 70%. Die herstellende Apotheke in Deutschland liegt an der angeschlossenen Klinik in Berlin (Troll Apotheke, Schwanebecker Chausse 50, 13125 Berlin, Tel. 030-9410930). Ich habe die Creme 6 Monate benutzt und nur eine minimale Linderung der Beschwerden verzeichnen können. 

Propranolol(®)
Es gibt nur wenige Berichte über den Einsatz des Wirkstoffes. Propranolol ist ein klassischr Beta-Blocker und senkt den Blutdruck. Es wurden Beobachtungen mit 320mg/Tag gemacht, höhere Dosen sind ebenfalls möglich. Man vermutet, dass es wie auch Timolol® die Erweiterung der Blutgefäße beeinflusst. Als Nebenwirkung wurde beobachtet, dass eine vorhandene Raynaud-Symptomatik verschlchtert werden kann. Da Raynaud und EM entgegengesetzte Symptome haben, könnte eine Linderung der Symptome ermöglicht werden.

Serotonin-Antagonisten
Diese Medikamente können Betroffenen helfen, die nicht auf die klassischen SNRI und SSRI reagieren. Cyproheptadin (Periactin®)  sind Antihistaminika mit einem Anti-Serotonin-Effekt. Der Wirkstoff besetzt Bindungsstellen bestimmter körpereigener Botenstoffe (Serotonin, Histamin), welche für die Entstehung von bestimmten Kopfschmerzen und Allergien verantwortlich sind. Somit wirken sie auch bei Gefäßfunktionsstöungen. Gleiche - jedoch mildere Effekte konnten durch Mutterkraut und Silberweide beobachtet werden (näheres unter alternative Methoden).

Trizyklische Antidepressiva
Trizyklische Antidepressiva weisen bei Neuropathien schon länger eine Wirkung nach. In einem Fall wurde von einer Schmerzlinderung mit Amitriptylin® berichtet. 

ASS (Aspirin®)
Aspirin ist ein schnell wirksames Medikament bei der sekundären EM (Polyzythämie, Thrombozythämie). Ansonsten hat es wenig bis keinen Nutzen. Bei der sekundären EM sollten langsam steigernd bis zu 650mg viermal täglich eingenommen werden. Hier sei jedoch auf die möglichen Nebenwirkungen, die Gastritis und Magengeschwüre hingeweisen. 

Prostaglandine
Es werden Infusionen mit Misoprostol® oder Iloprost® durchgeführt, die u.a. beim sekundären Raynaud-Syndrom Anwendung finden und gefäßerweiternd wirken. Auch mit Alprostadil® wurden Versuche durchgeführt. 

Opiate
Codein® und ähnliche Präparate bringen manchmal eine kurzzeitige Schmerzlinderung, verhindern jedoch nicht die Überhitzung und Rötung der betroffenen Körperstellen. Zudem die langfristige Einnahme eine Abhängigkeit zur Folge haben kann. 

Weitere Medikamente
Es gibt Untersuchungen und Beobachtungen, dass einige Patienten mit Pregabalin (Lyrica®) gute Erfahrungen gemacht haben. Es wird meist in der Behandlung von neuropathischen Schmerzen eingesetzt. 

Operative Verfahren 

Die lumbale Sympathektomie ist manchmal hilfreich bei der Erythromelalgie. Hierbei wird der sympathische Grenzstrang auf de Höhe der Lendenwirbelsäule unterbrochen. Der Ner läuft neben der großen Gefäße seitlich an der Lendenwirbelsäule entlang. Neue minimal-invasive Techniken ermöglichen nur noch wenige Tage Aufenthalt in der Klinik, früher mussten wochenlange Erholungsphasen eingehalten werden. Der Eingriff ist gut zu überdenken, da er sehr kompliziert und zudem irreversibel ist, sollte eine mögliche Verschlechterung eintreten. Es sollte erst nach Ausschöpfen aller anderen Behandlungsmöglichkeiten in Erwägung gezogen werden. 

Morphin Pumpen und Rückenmarksstimulatoren wurden bei wenigen Patienten eingesetzt. Diese Methoden können die Schmerzsteuerung beinflussen, die Blutgefäß betreffenden Syptome jedoch nicht. Intravenöse Lidocain® Behandlungen brachten bei einigen Patienten eine Linderung. 

Therapeutische Lokalanästhesie / Blockade mit Katheter

Bei der sog. kontinuierlichen Blockade mit Katheter wird ein dünner Kunststoffschlauch ganz nah an Nervengeflechte bzw. den betroffenen Nerv eingepflanzt. Die Einpflanzung erfolgt minimal-invasiv durch eine Kanüle hindurch. Es erfolgt demnach kein Schnitt wie bei einer klassischen OP. Über diesen „Mini-Katheter“ wird mehrmals täglich, jeweils nach dem Nachlassen der vorangegangenen Dosis, das örtliche Betäubungsmittel völlig schmerzlos nachinjiziert. In manchen Fällen kann zur Verabreichung des örtlichen Betäubungsmittels auch eine kleine Pumpe angeschlossen werden. Der Trick an der Methodik ist der: Das Lokalanästhetikum wird stets so dosiert, dass die normale Muskelkraft voll erhalten bleibt, aber die Schmerzreizleitung blockiert ist. (Quelle)